Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

20.4.02022 5 (1)

Affen als Musikanten | © Pixabay

dpd

Ich wundere mich noch, wer da vor der Haustüre herumkreucht, was man bei einer Glastüre gut sehen kann, und denke mir dabei, dass wenn er etwas von uns möchte, dann klingelt er.

Kurz darauf gehe ich zum Briefkasten und finde eine dpd-Karte „Ihr Paket ist da!“ und dem zusätzlichen freundlichen Hinweis, dass ich auch mein Abstell-Okay geben kann. Dies habe ich schon sehr lange erledigt, und manche dpd-Boten sind auch in der Lage, dies umzusetzen. Während ich diese Zeilen schreibe, konnte das ein Bote der Konkurrenz ohne Probleme machen. Er hat zusätzlich noch geklingelt und so konnte ich mich auch noch bei ihm bedanken.

So bleibt mir jetzt nur im Internet nach dem „Pickup Paketshop“ von dpd zu forschen, der sicherlich am anderen Ende der Stadt liegt.

Dass dpd das wirklich Allerletzte ist, hatte ich schon einmal geschrieben. Und seither hat sich nicht viel verändert.

Jetzt habe ich doch gleich noch nach dem „Pick-up Paketshop“ geforscht und erhalte zur Info, dass mein Paket in etwa einer Stunde zugestellt werden soll. Auch habe ich dort vier Änderungsoptionen, u. a. kann ich mein Abstell-Okay geben — leider stehen die „grau hinterlegten Änderungsoptionen … nicht zur Verfügung.“

Jetzt weiß ich zumindest, um welches Paket es sich handelt und kann bei der Firma nachfragen, wie oft ich die Annahme bereits verweigert hätte. Aber warten wir nochmals die eine Stunde ab, es soll ja noch Wunder geben.

Nachtrag:

Kaum waren zwei Stunden vorüber, konnte ich nachlesen, dass ich das Paket in einem „Pick-up Paketshop“ zu Pizzalieferservice-Zeiten abholen könne, ganze 10 Tage lang. Allerdings nur dann, wenn ich vom Adressaten auch eine Vollmacht besitze. Diese muss ich mir nun besorgen und danach spazieren gehen.

Renten

Unsere Umwelt verabschiedet sich so langsam aber sicher, und weil es bei uns weit populärere Themen gibt, auch ganz still und heimlich. Unsere Ressourcen gehen langsam zur Neige und — ich hatte dies schön öfters thematisiert — keinen interessiert es, so lange man selbst noch glaubt, bis zum eigenen Ableben alles geliefert zu bekommen.

Und so ist es nun auch kein Wunder mehr, dass man auch ohne größeres Murren akzeptiert, dass demnächst aus 2,3 Billionen Euro Staatsschulden gut 4 und gerne noch mehr werden — denn die Politik hat uns glaubhaft versichert, dass die Rückzahlung dieser Schulden frühestens die Enkelgeneration trifft.

Und selbst moralische Fragen wie die einer Kriegsschuld können wir locker dadurch entgehen, dass wir weiteres Geld ausgeben und dabei auch noch unsere Bundeswehr weiter zerstören. Jetzt darf diese auch noch ihre letzten funktionierenden Waffen der Industrie zur Verfügung stellen, damit diese sie gewinnbringend verkauft — alleine auf Kosten des Steuerzahlers versteht sich.

Unsere letzten Bedenken, dass solch eine Politik vielleicht nicht tragfähig sein könnte, werden jetzt dadurch zerstreut, indem Hubertus Heil mit einem neuen Rentenpaket langfristige Weichen für die Zukunft der Rente in Deutschland stellt. „Erstens: Wir sorgen dafür, dass das Rentenniveau stabil bei 48 Prozent bleibt, und zwar langfristig. Und zweitens: Wir stellen die Finanzierung der Rente auf eine breite Basis mit dem Aufbau eines Kapitalstocks.“ (Heilbronner Stimme, 20.4.2022: 1).

Dass diese Rente jetzt schon gut 400 Milliarden im Jahr, darunter gut 100 Milliarden an Steuergeldern kostet, ist bei uns völlig normal — wir haben uns dies als die letzten wirklichen Leistungsträger und menschliche Elite doch alle mehr als verdient. Das neue Rentenpaket wird nun sicherlich dafür sorgen, dass unsere Staatsausgaben mehrheitlich für den Verbrauch ausgegeben werden: da bleibt kein Geld mehr für Umwelt, Forschung, Bildung oder gar eine Bundeswehr übrig, die nicht einmal über 50 Milliarden Euro im Jahr verfügen darf, nicht einmal die Hälfte der Gelder, die wir völlig illegitim jährlich in die Rentenzahlungen stecken.

Und wie schon gesagt, der Weltuntergang interessiert uns nicht, Hauptsache, unsere Renten sind sicher!

Volkszorn

Der Volkszorn ist heute digitalisiert und wird in den sozialen Medien zelebriert. Die Gefahr dabei ist, dass gerade jene Parteien, deren Programm von Opportunismus geprägt ist, damit immer schneller ihre eigene Richtung ändern und letztendlich selbst in der ein und derselben Partei kein Konsens mehr herzustellen ist.

Das „Problem“ mit dem Volkszorn ist dabei schon immer vorhanden gewesen und wird heute dank der Medien nur wesentlich besser instrumentalisiert. Und aus aktiven Minderheiten, wie z. B. den Ostermarschierern oder Querdenker-Spaziergängern, werden so sehr schnell vermeintliche Mehrheiten, denen man unbedingt folgen muss, nur um selbst noch akzeptiert zu bleiben.

Und wann dann aus einer Minderheitsmeinung plötzlich eine Mehrheitsstimmug wird, hängt immer mehr von Bots und Algorithmen ab, weniger noch von sehr professionellen und zugkräftigen Agitatoren. So liegt unsere letzte Hoffnung darin, dass sich die konkurrierenden „Mehrheitsmeinungen“ gegenseitig aufheben oder wenigstens etwas egalisieren. Und bereits der alte Goethe meinte:

„Nichts ist widerwärtiger als die Majorität; denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich akkommodieren, aus Schwachen, die sich assimilieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne im mindesten zu wissen, was sie will.“

Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen (2013: 72)

Und so sollte man sich spätestens dann darüber doch so einige Gedanken machen, wenn man plötzlich merkt, dass man eine Mehrheitsmeinung vertritt.

Geburtstag des Tages

Joan Miró


DPD Zustellfahrzeug

Paketdienst zum Abgewöhnen 5 (1)

Beitragsfoto: Zustellfahrzeug | © Shutterstock

Vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal so geschehen, Sie haben plötzlich ein Lied in den Ohren, welches Ihnen nicht mehr aus dem Kopf geht. Bei mir ist es seit ein paar Tagen eines von Pink Floyd. Und ich kann mich ganz genau daran erinnern, dass ich es mir vor Ewigkeiten am liebsten auf Platte angehört habe.

Das Stöbern in meiner Plattensammlung war vergeblich, so bin ich kurz darauf in den Plattenladen meines Vertrauens gepilgert und dies mit der Absicht, mir diese Platte nun ein zweites Mal zu kaufen.

Leider gab es diese nicht mehr und so tröstete ich mich mit zwei anderen „Schätzchen“. Zuhause angekommen, hörte ich die Neuerwerbungen rauf und runter, nur um festzustellen, dass es immer noch das eine ganz bestimmte Lied war, welches mir nicht mehr aus den Ohren ging.

Ein Blick ins Internet machte mir Hoffnung, eine Neupressung der Platte und dazu gleich am kommenden Tag auch geliefert – wer kann dabei widerstehen? Noch am Abend erhielt ich die Bestätigung, dass meine Neuerwerbung versandt sei.

Zum Frühstück lag dann auch schon eine E-Mail von dpd vor, dass mein Paket auf dem Weg zu mir sei. Kurz darauf eine zweite, die mir ankündigte, dass mein Paket zwischen 11.16 Uhr und 12.16 Uhr bei mir sei. Da ich jüngst auch eine Anlaufstelle für viele Paketdienste bin, die bei mir für die gesamte Nachbarschaft Pakete deponieren, plante ich kurzentschlossen meinen Tagesablauf um und wartete auf den Postboten; in Gedanken legte ich dabei die Platte bereits auf den Teller.

Ein paar Postboten später, wobei ich keinen von dpd zu Gesicht bekommen habe, erhielt ich kurz nach 12.20 Uhr eine E-Mail, dass mein Paket nicht zugestellt werden konnte.

Ich hätte es sehr gut verstanden, wenn dies aufgrund technischer Mängel, zeitlicher Überlastung, fehlender Ortskenntnis oder gar temporärer Unlust des Zulieferers nicht möglich gewesen wäre. Mir aber zu unterstellen, dass ich trotz Ankündigung zu doof sei, um ein Paket entgegenzunehmen, ist mehr als unverschämt! Insbesondere dann, wenn ich stets ohne Klagen meinen Hausflur auch mit „Fremdpaketen“ von dpd fülle, die dort dann unermüdlich auf Abholung durch ihre Besitzer warten.

Diese E-Mail retournierte ich sofort, nur um festzustellen, dass dpd offensichtlich auch mit dem Empfang von E-Mail überfordert ist. Nach einem weiteren Blick ins Internet konnte ich dpd gleich zweimal per Telefon erreichen, die mich für je 60 Cent pro Anruf in eine Dauerschleife schickten, wobei ein Bot dann jeweils das nette Gespräch nach einer Weile mit dem Hinweis beendete, dass das Paket im Zustellzentrum sei.

Die Rückfrage beim Verkäufer ergab dann, dass ich heute sogar zweimal das Paket nicht entgegengenommen habe. Darauf stornierte ich die Bestellung und baue jetzt auf die Tatsache, dass für ein amerikanisches Unternehmen Kundenservice und Professionalität Selbstverständlichkeiten sind. Auf jeden Fall hat es dieses Unternehmen im Gegensatz zu dpd nicht nötig, seine Kunden und Geschäftspartner nach Strich und Faden zu belügen.

Etwas Gutes hat die Sache dann doch, ich weiß gar nicht mehr, welches Lied von Pink Floyd mir die letzten Tage nicht aus dem Kopf ging. Und wer weiß, vielleicht gibt es die Platte bald auch wieder im Plattenladen um die Ecke.

Wish you were here aus dem Jahr 1975

„It takes months to find a customer … seconds to lose one.“

Anon